Logistik

Für die Molkereiwirtschaft als Erfasser und Verarbeiter von Rohmilch und Lieferant von Frischeprodukten für den täglichen Bedarf, stellt die Logistik einen wichtigen Baustein in der Kette vom Landwirt bis zur Ladentheke dar.

Frischelogistik - dank moderner Logistik frisch auf den Tisch

Ein weiterer Fokus in der Logistikkette der Molkereiwirtschaft liegt auf den Herausforderungen bei der Distribution/ Verteilung der Produkte an die Abnehmer und vor allem den Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Die Bedeutung des Streckengeschäftes (Filialbelieferung) nimmt hier zu Gunsten von Zentrallagerlieferungen (i.d.R. Voll- und Teilladungen) stetig ab, da der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend versucht Logistikfunktionen in eigener Regie durchzuführen.

Durch die nationale und zunehmend auch internationale Konzentration des LEH ist die durchschnittliche Bezugsmenge der Handelsunternehmen bei Molkereiprodukten stark angestiegen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Molkereien rückläufig und die Produktion der Sortimente wird zwischen den einzelnen Standorten optimiert. Aus Kostengründen stellt nicht jede Molkerei daher noch alle Produkte an jedem Standort her. Für viele Molkereien entsteht hierdurch die Anforderung, von einer regionalen auf eine zumindest national flächendeckende Distributionsstruktur überzugehen. Die Bedeutung des Streckengeschäftes, d.h. die Direktbelieferung von Einzelhandelsfilialen, ist zugunsten von Zentrallagerlieferungen stark zurückgegangen. Mittlerweile werden etwa 90 % aller Milchprodukte über die ca. 140 Zentralläger des Handels distribuiert. Mit dieser Entwicklung haben sich auch neue Anforderungen an die unterschiedlichen Prozessbeteiligten ergeben. Weiterhin wird durch einzelne Unternehmen des LEH angestrebt, die Distributionslogistik von den Herstellern in die Zentralläger in eigener Regie durchzuführen (Beschaffungslogistik).

Gerade im Frischebereich ist der LEH vermehrt an einer zeitlich sehr eng getakteten Anlieferung der Waren interessiert, um die eigenen Lagerbestände kostenoptimiert so gering wie möglich zu halten. Für die Hersteller von Molkereiprodukten bedeutet diese Entwicklung einen Anstieg der Belieferungsfrequenz mit geringeren Bestellmengen pro Lieferung und entsprechenden Auswirkungen auf die Transportkosten. Das Thema Nachhaltigkeit, das sich verschiedene Handelsunternehmen werbewirksam auf die Fahnen geschrieben haben, bleibt leider allzu häufig nur ein Lippenbekenntnis, wenn es um die Anbahnung und Durchführung konkreter Projekte geht.

Die Fertigwarenläger der Molkereiproduktehersteller werden überwiegend in Eigenregie betrieben. Die Produkte werden meist nur kurzfristig eingelagert, bis Quarantäne- und Kühlzeiten erreicht sind und die Qualitätssicherung die Ware für den Verkauf freigibt. Häufig vergehen zwischen der Produktion und Verpackung und der Ankunft im Laden nur einige Stunden bzw. wenige Tage, z.B. bei der Frischmilch.

Die max. Lagerdauer, z.B. für gekühlte und tiefgefrorene Butter, ist von der Temperatur abhängig (1 - 2 Monate bei -1 bis 4°C, bis 12 Monate bei -18 bis -24°C). Beim Käse ist die Lagerfähigkeit zudem von der Sorte abhängig (z. B. Roquefort 4 Wochen, Camembert 4 - 6 Wochen, Gouda oder Tilsiter 4 Monate), während gekühlte Trinkmilch höchstens drei Wochen (ESL-Milch) haltbar ist.

Durch die Arbeitsgruppe Frischelogistik im Milchindustrie-Verband, in der sich aktuell rund 20 wichtige Molkereiunternehmen aktiv für die Entwicklung relevanter logistischer Branchenthemen und Standards gemeinsam engagieren, wurde über das Branchengremium Mopro in Zusammenarbeit mit der GS1-Germany und Vertretern des Handels im Jahr 2009 die Anwendungsempfehlung „Besonderheiten bei der logistischen Abwicklung von Molkereiprodukten" erstellt. Diese Empfehlung stellt einen für die gesamte Molkereibranche gültigen Handlungsrahmen in der Abwicklung logistischer Prozesse mit dem Handel dar und war darüber hinaus Vorbild für die Entwicklung ähnlicher Leitfäden in anderen Branchen. Derzeit bestehen durch die Arbeitsgruppe besonders Aktivitäten zu den folgenden Schwerpunkten, an denen konstruktiv und partnerschaftlich gemeinsam mit Handelspartnern und Logistikdienstleistern gearbeitet wird:

  • Effiziente Wareneingangsabwicklung für Lieferungen an den deutschen LEH
  • Statusverfolgung auf Ladungsträgerebene bei Logistikdienstleistern
  • GS1-Anwendungsempfehlung Wareneingangsbestätigung (RECADV)
  • Zeitfensterbuchungssysteme für die Terminplanung bei der Handelsbelieferung.

Der fortschreitende Roll-out insbesondere der Zeitfensterbuchungssysteme durch den heutigen Marktführer Mercareon auf immer mehr Läger des LEH, hat bislang zu einer Erhöhung der Kosten und der Komplexität bei der Belieferung der Handelszentralläger geführt. Häufig stehen den anliefernden Spediteuren nicht genug Zeitfenster (Slots) oder lediglich zu unpassenden Zeiten zur Verfügung, so dass eine logistisch gute und optimale Auslastung der Transportkapazitäten häufig nicht möglich ist.

Ein wesentlicher Bestandteil zur Optimierung (Kosten und Effizienz) der Logistik ist eine prozessstufenübergreifende Harmonisierung der logistischen Prozesse. Aufgrund der empfängerspezifischen Anforderungen haben sich unterschiedliche Prozesse neu herausgebildet, die parallel zu bereits etablierten Prozessen ablaufen und diese zum Teil behindern. Auch durch die zunehmenden Kooperations- und Fusionstendenzen in der Molkereiwirtschaft entstehen Veränderungen in den Supply-Chain-Prozesse in den Unternehmen. Deshalb werden in den Molkereien fortlaufend die Prozesse in der gesamten Supply-Chain aufgezeigt und analysiert, um eine nachhaltige Logistik und positive Kosteneffekte zu realisieren.

21.08.2012