Sachstand zu Milch und Jod

Viele Menschen in Deutschland sind nicht ausreichend mit Jod versorgt. Verschiedene Expertengruppen empfehlen daher u. a. die tägliche Aufnahme von Milch und Milchprodukten, um so den Bedarf an Jod zu decken.

Wozu braucht der Mensch Jod?

Das Spurenelement Jod kann vom menschlichen Körper selbst nicht gebildet werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden. Jod ist essentiell für die Bildung der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin. Die Schilddrüsenhormone regulieren verschiedene Vorgänge wie Wachstum, Verdauung, Körpertemperatur oder Leistungsfähigkeit. Ein Jodmangel kann zu einem Kropf und Schilddrüsenerkrankungen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen, wie bösartigen Veränderungen der Schilddrüse, Antriebsschwäche, Fruchtbarkeitsstörungen oder Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf.

Jod-Aufnahme liegt unter den Empfehlungen

Die empfohlene Zufuhr liegt für Erwachsene bei 180-200 µg/Tag. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Jodbedarf von 230 bzw. 260 µg/Tag (DACH-Referenzwerte, 2015).

Die aktuellen Resultate aus dem Jodmonitoring der KiGGS Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zeigen, dass die mittlere Jodaus­scheidung bei 88,8 Mikrogramm pro Liter Urin liegt. Dies entspricht nach der Einstufung der WHO einem milden Jodmangel. Damit ist Deutschland als Jodmangelland anzusehen (AK Jodmangel, 2019).

Die Ergebnisse der DEGS-Studie (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) zeigen, dass die Jodversorgung in Deutschland weiterhin nicht ausreichend ist. Auf Basis der Jodausscheidung wird die Aufnahme geschätzt. Diese liegt im Mittel bei 126 µg/Tag und damit deutlich unterhalb der Referenzwerte. Bei 30 % der Erwachsenen und der Kinder besteht ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr (DGE, 2016).

Eine unzureichende Aufnahme findet sich besonders häufig bei Schwangeren,
jungen Frauen, Kindern sowie Menschen, die nie oder nur selten Fisch oder Milchprodukte verzehren oder sich vegan ernähren, informiert der Arbeitskreis Jodmangel (AK Jodmangel, 2016 1.).

Milch und Milchprodukte als Quelle für Jod

Milch und Milchprodukte gehören in Deutschland zu den bedeutenden Jodquellen (MRI, 2015), das gilt auch für Kinder (Johner, 2013; AK Jodmangel, 2016 2.).

Die Sicherstellung der Jodversorgung basiert auf vier Säulen: vollwertige Ernäh-rung, Jodsalz, Lebensmittel mit Jodsalz und Einsatz von Jodtabletten. Grundlage ist zunächst eine vollwertige Ernährung mit mindestens zwei Mahlzeiten Seefisch pro Woche und täglichem Konsum von Milch und Milchprodukten (250-500 ml bzw. g) (AK Jodmangel, 2016 1., 2.).

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2012) sind Maßnahmen der Jodmangelvorsorge weiterhin notwendig, da die Jodversorgung der Bevölkerung immer noch nicht optimal ist. Das BfR empfiehlt daher ebenfalls den täglichen Ver-zehr von Milch und Milchprodukten, den Verzehr von Seefisch 1 bis 2 mal pro Woche, die konsequente Verwendung von Jodsalz im Haushalt sowie den bevorzugten Kauf von Lebensmitteln, die mit Jodsalz hergestellt wurden.

Jodgehalt von Milch

Durch die Erhöhung des Jodgehaltes von Milch für die eigenbedarfsgerechte Jodversorgung der Kühe über Mineralstoffmischungen von 97 ± 32 μg/l in 2004/2005 auf 110 ± 36 μg/l in 2009/2010 wurde möglicherweise ein stärkerer Rückgang der Jodversorgung in der Bevölkerung vermieden (Johner, 2012). Die Jodkonzentration von Biomilch liegt signifikant unter dem Gehalt von konventioneller Milch (ca. 140 vs. 95 µg/l) (Köhler, 2012). Dieses ist auf unterschiedliche Fütterung zurückzuführen.

Quellen

  • Arbeitskreis Jodmangel (2016) 1.: Jodversorgung Aktuell
  • Arbeitskreis Jodmangel (2016) 2.: Jodmangel und Jodversorgung in Deutschland – Aktuelles zum derzeitigen Versorgungsstand und Handlungsbedarf,
    Basisinformation für Gesundheitsberufe
  • Arbeitskreis Jodmangel (2019): Presseinformation; Deutschland ist wieder Jodmangelland, Aktuelle Gesundheitsstudie zeigt deutlichen Negativtrend
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (2012): Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): 13. Ernährungsbericht, 2016
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (2015), Neuer Umschau Buchverlag
  • Johner (2012): Johner SA, von Nida K, Jahreis G, Remer T: Aktuelle Untersuchungen zeitlicher Trends und saisonaler Effekte des Jodgehalts in Kuhmilch – Untersuchungen aus Nordrhein-Westfalen. Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 125, Heft 1/2 (2012): 76–82
  • Johner 2013: Johner SA, Thamm M, Nöthlings U, Remer T: Iodine status in preschool children and evaluation of major iodine sources: a German experience.
    Eur J Nutr. 2013 Oct;52(7):1711-9
  • Köhler (2012): Köhler M, Fechner A, Leiterer M et al.: Iodine content in milk from German cows and in human milk: new monitoring study.
    Trace Elements and Electrolytes, Vol. 29 – No. 2/2012 (119-126)
  • Max Rubner-Institut (2014): Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen
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MIV-Sachstand zu Milch und Jod 16.01.2020

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