Sachstand zu Milch und Jod
Das Spurenelement Jod ist essentiell für verschiedene Stoffwechselfunktionen. Aber weiterhin sind viele Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Jod versorgt. Neben Seefisch und Jodsalz sind Milch und Milchprodukte gute Jodlieferanten für die Bevölkerung.
Dieser Sachstand geht auf die Bedeutung von Jod für die Gesundheit, dem Jodgehalt von Milch und Milchprodukten sowie der Verwendung von Jodsalz ein.
Wozu braucht der Mensch Jod?
Das Spurenelement Jod kann vom menschlichen Körper selbst nicht gebildet werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden. Jod ist essentiell für die Bildung der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin. Diese regulieren verschiedene Körperfunktionen, wie Wachstum, Verdauung, Körpertemperatur oder Leistungsfähigkeit. Ein Jodmangel kann zu einem Kropf und Schilddrüsenerkrankungen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen, wie bösartigen Veränderungen der Schilddrüse, Antriebsschwäche, Fruchtbarkeitsstörungen oder Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf.
Jod-Aufnahme liegt unter den Empfehlungen
Die empfohlene Zufuhr liegt für Erwachsene bei 150 µg/Tag. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Jodbedarf von 220 bzw. 230 µg/Tag (DGE, 2025).
44 % der Heranwachsenden und ca. ein Drittel der Erwachsenen tragen des Risiko für eine Jodunterversorgung (BMLEH). Beim Verzicht auf Lebensmittel tierischen Ursprungs besteht ein größeres Risiko für eine Jodunterversorgung (BfR, 2020), da sie die Hauptquellen darstellen.
Milch und Milchprodukte als Quelle für Jod
Milch und Milchprodukte gehören in Deutschland zu den bedeutenden Jodquellen (MRI, 2020).
Im Detail stammen 21 % aus „Milch und Milchprodukten“, ca. 9 % aus Milch und gut 3 % aus Joghurt. Aus diesen Erzeugnissen werden insgesamt täglich ca. 20 µg Jod aufgenommen. Dabei enthalten konventionelle Milch und Milchprodukte mit 0,145 mg Jod/kg mehr Jod, während entsprechende Bioprodukte mit 0,128 mg Jod/kg aufgrund der Fütterung (s. u.) darunter liegen. Nur 2 % der Milcherzeugnisse sind mit Jodsalz hergestellt (BfR, 2021).
Wie kommt das Jod in die Milch?
Das Grundfutter für Milchkühe, wie Gras, Mais oder Getreide, enthält aufgrund der Jodarmut der Böden wenig Jod. Durch die Ergänzung von Mineralstoffmischungen wird der physiologische Jodbedarf der Kühe gedeckt. Auch durch Lecksteine oder jodhaltige Desinfektionsmittel (wie beim Zitzendippen) kann Jod in die Milch gelangen.
Im Bio-Bereich gelten besondere Regeln, es wird oft seltener zugefüttert oder die Jodsupplementierung der Futtermittel ist geringer. Dies sind wahrscheinlich die Ursachen, warum der Jodgehalt in Bio-Milch niedriger liegt. Beim regelmäßigen Konsum von Biomilch und Bioprodukten sollte der Jodbedarf über andere Quellen gedeckt werden (BfR, 2020).
Wenn Salz, dann Jodsalz – BMLEH-Aufklärungskampagne
Um die Jodversorgung in Deutschland zu verbessern, informiert und sensibilisiert das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen seiner Informationsoffensive „Wenn Salz, dann Jodsalz“. Hier werden Verbraucherinnen und Verbraucher über die Bedeutung der Jodzufuhr für die Gesundheit informiert und für die Verwendung von Jodsalz bzw. die Bevorzugung von mit Jodsalz hergestellten Lebensmitteln sensibilisiert.
Aus Sicht des Max Rubner-Institut (MRI) und des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist anzustreben, in verarbeiteten Lebensmitteln auf möglichst breiter Basis jodiertes Speisesalz zu verwenden (BfR, 2021; MRI, 2020).
Ist Jodsalz sicher?
Die Jodkonzentration, die Salz zugegeben werden darf, ist gesetzlich geregelt und liegt bei 15 bis max. 25 mg/kg. Damit besteht für gesunde Menschen ebenso wie für Schilddrüsenkranke kein gesundheitliches Risiko (BfR, 2020) und selbst ein hoher Salzkonsum stellt kein Risiko für eine Überversorgung dar (DGE, 2025).
Das BMLEH informiert, dass die Jodzufuhr bei Schilddrüsenerkrankungen über Jodsalz, Meeresfisch, Milch und Milchprodukte sowie mit Jodsalz hergestellten Produkten kein Problem darstellt. Kritisch könnten aber jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente oder besonders jodhaltige Meeresalgen sein.
Gemäß europäischer Lebensmittelinformationsverordnung muss die freiwillige Verwendung von Jodsalz oder jodiertem Speisesalz in der Zutatenliste deklariert werden (Salz, Natrium-/Kalium-Jodat). Der MIV setzt sich gegenüber dem Gesetzgeber für eine erleichterte Kennzeichnung (Jodsalz) auf EU-Ebene ein. Auch aus gesundheitlicher Sicht muss nicht die genaue Jodverbindung im Salz angegeben werden, betonen BfR und MRI (BfR, 2025).
Jodkritische Meinungen
Hinsichtlich der Jodierung von Speisesalz werden immer wieder kritische Stimmen laut. Das BMLEH und das BfR unterstreichen jedoch, dass die Jodaufnahme in Deutschland zu gering ist und zu gesundheitlichen Nachteilen führen kann. Berechnungen zeigen, dass die Verwendung von jodiertem Salz sicher ist (s. o.) und zur Verbesserung der Nährstoffversorgung beiträgt.
Wissenschaftliche fundierte Informationen zum Nutzen von Jodsalz in der Ernährung für die Bevölkerung stellt auch der Arbeitskreis Jodmangel zur Verfügung.
Quellen
- Arbeitskreis Jodmangel
- BMLEH: Jod – Ausgewählte Zahlen und Fakten
- BMLEH-Homepage: Wenn Salz, dann Jodsalz
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2020): Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig – Tipps für eine gute Jodversorgung Fragen und Antworten zur Jodversorgung und zur Jodmangelvorsorge, FAQ des BfR vom 20. Februar 2020 (aktualisiert 9. Februar 2021)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2021): Rückläufige Jodzufuhr in der Bevölkerung: Modellszenarien zur Verbesserung der Jodaufnahme, Stellungnahme Nr. 005/2021, 09.02.2021
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2025): Salz mit Kalium- oder Natriumjodat: Die vereinfachte Angabe „Jodsalz“ ist aus gesundheitlicher Sicht ausreichend, Gemeinsame Stellungnahme von BfR und MRI Stellungnahme Nr. 039/2025, 23.09.2025
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2025
- Max Rubner-Institut (2020): Modellszenarien für die Jodzufuhr in Deutschland, Bericht, Stand Mai 2020

