Nachhaltiger Soja-Gebrauch im Milchsektor in Deutschland

Die Landwirtschaftsminister aus 14 Mitgliedstaaten der EU (darunter auch Deutschland) haben 2017 eine sog. Soja-Erklärung (s. u.) unterschrieben, in dieser wird ausgeführt, dass die nachhaltige, zertifizierte und gentechnikfreie Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Eiweißpflanzen, insbesondere von Soja, in Europa gestärkt werden soll. Die Erklärung stellt die Grundlage für den zunehmenden Anbau von heimischen Eiweißpflanzen da, wobei die auf dem hiesigen Markt benötigten Mengen noch nicht ausreichen, um den Bedarf für die Futtermittelerzeugung zu decken.

Die Milchindustrie ist sich der Bedeutung hinsichtlich nachhaltig erzeugten und gentechnikfreien GVO-freien Soja als Futtermittel und der Nachfrageentwicklung bewusst. Verbraucher und Zivilgesellschaft erwarten sichere, gesunde und nachhaltige Produkte. Landwirte und ihre Zulieferer arbeiten kontinuierlich gemeinsam daran, optimale Ergebnisse für die Lebensmittelerzeugung zu erzielen. Dafür ist es nicht zwingend, (GVO freies) Soja-Futtermittel zu verwenden, dennoch ist die Nachfrage nach Futtermitteln ohne Gentechnik steigend.

Von den insgesamt in Deutschland verbrauchten 3,2 Mio. t Soja dürfte ca. 0,8 Mio. t GVO-freieWare sein. Gegenwärtig setzt  Deutschland zur Deckung des Proteinergänzungsbedarfes in erster Linie auf Sojaextraktionsschrot. In besonderem Maße gilt dies für den Bereich der Schweine- und Geflügelfütterung, aber auch in geringeren Teilen bei Milchkühen.  Das verwendete Sojaextraktionsschrot besteht insbesondere aus Pflanzenresten, die nach der Extraktion des wertvollen Ölanteils aus der Sojabohne übrig bleiben und vom Menschen nicht weiter verwertet werden können. Das Sojaöl findet derweil Verwendung in vielen Bereichen von Lebensmittel bis Industrie.

Die Beschaffung und Verwendung von Eiweißpflanzen und Futtermitteln bleibt grundsätzlich der Entscheidung des Landwirts überlassen. Aber aufgrund des eingeschränkten Angebots in Europa müssen die Landwirte teilweise auf andere Herkünfte z. B. aus Übersee ausweichen und ihre Futtermittel von dort beziehen (geschätzte 10 % des Proteinbedarfs für Milchkühe).

Wieviel Soja in Form von Sojaextraktionsschrot zum Einsatz bei der Milchviehfütterung kommt, ist schwierig pauschal zu beantworten. Eine verbindliche Zahl gibt es nicht, außerdem ist die Spannbreite der einzelbetrieblichen Ansätze in der Rationsgestaltung zur Fütterung der Kühe sehr groß. Insgesamt ist der Anteil an Sojaextraktionsschrot auf die an einem Tag aufgenommene Futtermenge einer Kuh vergleichsweise gering, da der allergrößte Teil des Futters aus sog. Raufutter wie Gras, Silage oder Heu besteht.

Eine Beispiel :Eine Kuh, die 25 kg Milch am Tag gibt, bekommt im Durchschnitt ca. 19 kg Grassilage und 19 kg Maissilage (Frischmasse). Dazu 2 kg Sojaschrot, 2 kg Weizen und 150 g Mineralfutter (Quelle:fragdenmilchbauern.de ). Der (Soja-) Eiweißanteil der Kuh beträgt somit nur ca. 6 % des Gesamtfutteranteils. Um auf die spezifischen Merkmale des Verdauungstrakts eingehen zu können, müssen Kühe eine bestimmte Menge proteinhaltigem Futter aufnehmen. Ein Ausgleich kann z. B. durch Sojaextraktionsschrot vorgenommen werden, welches außerdem durch die besondere Eiweißzusammensetzung ein wertvolles Futtermittel für Rinder darstellt.Der Trend in den letzten Jahren geht jedoch dahin, Sojaschrot durch z. B. einheimisches Rapsschrot, das ebenfalls eine wichtige Eiweißquelle in der Rinderfütterung sein kann, zu ersetzen.

Daher setzt sich der MIV dafür ein, dass die Kompetenz und Vielfalt in der Fütterung der Kühe auch in Zukunft beim Milcherzeuger liegt.

Europäische Union

Die EU führt jährlich ca. 14 Mio. Tonnen Sojabohnen als Proteinquelle für Tiere, sowie für die Sojamilcherzeugung ein. Sojabohnen aus den USA sind sehr preisgünstig und daher für europäische Importeure und Verwender als Tierfutter sehr attraktiv (Quelle: Pressemitteilung, vom 30.11.2018).

Wertmäßig liegen die Soja-Importe in die EU  bei rund 2,3 Mrd. Euro (5 391 516 Tonnen / 2018/19).

 

 

Futtermittelbedarf

Futtermittelbedarf Deutschland 2016
© www.transgen.de

Soja-Importe in die EU

Soja-Importe in die EU in €
© EU-Kommision 30.11.2018

Soja-Importe in die EU

Soja-Importe in die EU in Tonnen
© EU-Kommision 30.11.2018

Deutschland:

In den Sojaimportländern Argentinien, Brasilien und den USA gibt es einige unterschiedliche Programme, die eine nachhaltige Sojaproduktion gewährleisten.

Der jährliche Import von Eiweiß aus (meist gentechnisch verändertem) Soja nach Deutschland wird auf 2,8 Mio. t geschätzt. Weitere 1,1 Mio. t Eiweiß werden in Form von Rapsprodukten inkl. Rapssaat sowie anderer Proteinträger eingeführt. Die Eigenerzeugung von Futtereiweiß beläuft sich in Deutschland auf 1,4 Mio. t, vorwiegend aus Rapsprodukten. Der Beitrag der Körnerleguminosen ist derzeit noch äußerst gering (Quelle: tll.de)

 

Der Anbau von Gentech-Pflanzen konzentriert sich auf acht Länder: USA, Brasilien, Argentinien, Indien, Kanada, China, Pakistan und Paraguay. (BUND / Quelle: ISAAA 2017)

Nachhaltigkeit:

Derzeit sind nur ca. 2 % der weltweiten Sojaproduktion nachhaltig zertifiziert (Quelle:OVID-Brief: Auf dem Weg zu mehr nachhaltigem Soja – Herausforderung und Lösungsansätze).

In einer aktuellen Studie (s.u.) vom April 2018 analysiert Stefan Vogel, Strategieexperte der Rabobank, die Nachfrage nach zertifiziertem Soja. Zwar ist die Nachfrage auf dem europäischen Markt in den letzten Jahren gestiegen, aber nur wenige Kunden wollen dafür tiefer in die Tasche greifen.

Es sollte versucht werden, die Eigenversorgung mit heimischen Eiweiß zu erhöhen und somit eine größere Unabhängigkeit von importierten Sojafuttermitteln zu erreichen. Importsoja ist in Rationen für Nutztiere unter verstärktem Einsatz alternativer, heimischer Eiweißträger zumindest teilweise zu ersetzen. Auf diese Weise kann ein höheres Maß an GVO-Freiheit in der Fütterung erreicht und garantiert werden.

Die Milchindustrie bietet eine breite Palette von Milchprodukten an, um den unterschiedlichen Erwartungen, Bedürfnissen und Wünschen der Verbraucher gerecht zu werden. Das hochwertige Protein und die essenziellen Nährstoffe, die der Mensch über Milch und Milchprodukte erhält, müssen auf einer angemessenen und nachhaltigen Ernährung für gesunde Kühe basieren.
Es gibt verschiedene Ansätze, die von Programmen verfolgt werden und sich mit nachhaltiger Proteinbeschaffung befassen. Einige konzentrieren sich auf Umweltaspekte, einschließlich Landnutzungsänderungen / Entwaldung in Übersee und einen angemessenen Einsatz von Pestiziden, während andere sich auf die menschliche Komponente, einschließlich Arbeitsbedingungen und Löhne, konzentrieren. Auch über die gemeinsame Agrarpolitik oder freiwillige Programme in anderen Regionen als der Donauregion versucht man die Sojaproduktion zu fördern, und die Gesamtqualität des angebotenen Sojas zu verbessern.

Jedoch produziert die EU immer noch zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen für ihre Nutztiere und ist daher auf die Einfuhr von Sojabohnen angewiesen. Soja  aus den wichtigsten Erzeugerländern Nord- und Südamerikas ist aber größtenteils gentechnisch verändert (weltweit liegt der Gentechnik-Anteil an der Sojaproduktion bei knapp 80 % – Quelle: www.transgen.de).

Der für einen Sojaersatz in der Milchviehfütterung benötigte Flächenbedarf an Ackerbohnen und Erbsen wird auf ca. 335.000 bis 455.000 ha geschätzt. Bezogen auf das Jahr 2011 wäre eine Ausweitung auf das Fünf- bzw. Sechsfache der Anbauflächen dieser Kulturen nötig. Das entspräche einem Anstieg des durchschnittlichen Ackerflächenanteils dieser beiden Kulturen in Deutschland von 0,62 % auf etwa 2,8 bis 3,8 %. (Alternativen zu importiertem Soja in der Milchviehfütterung)

Aber auch heimische Leguminosen können die Eiweißversorgung des Milchviehs nur eingeschränkt auffangen. Es kommt seitens der Importeure in Regionen intensiver Tierhaltung zu einem Nährstoffüberschuss mit ebenfalls weitreichenden Folgen für die Ökosysteme. Auch die Abhängigkeit der tierischen Erzeugung in Deutschland bzgl. der Preise und Verfügbarkeit von Proteinfuttermitteln wird kritisch gesehen. Hinzu kommt die ablehnende Haltung der deutschen und europäischen Bevölkerung gegenüber gentechnisch veränderten Organismen [Schätzl, R.; Stockinger, B. (2012): Strategien zur Erhöhung des Anteils von heimischen Eiweißfuttermitteln in der Nutztierfütterung. Hrg. v. LFL (Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft)].

In der Gesamtbetrachtung kann man feststellen, dass es zwar möglich ist, Alternativen für (GVO) Soja zur Verfütterung zu finden, aber die europäische Proteinversorgung ist derzeitaufgrund mangelnder Verfügbarkeit nur mit ergänzenden Zukäufen aus Drittländern möglich. Des Weiteren bedürfe der Ausbau von heimischen Proteinpflanzen hohe Flächenkonzentration und entsprechende politische Fördermaßnahmen und Änderungen der politischen Rahmenbedingungen.

Wenn nun Lebensmitteleinzelhändler fordern, dass die Molkereien ausschließlich nachhaltiges Soja als Futtermittel verwenden, ist dies zum einen aufgrund des beschränkten Angebots nicht realisierbar, noch kann bei sog. Zukaufsmilch keine Garantie abgegeben werden, dass nur nachhaltiges Futter verwendet wurde.

© ISAAA-Bericht 2017 (ergänzt); FAOSTAT

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Europäische Soja-Erklärung (in Englisch)
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OVID-Brief: Auf dem Weg zu mehr nachhaltigem Soja - Herausforderung und Lösungsansätze

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  • Astrid Stein Rechtsanwältin Referentin Assistentin: Monika Hubar
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